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Suizid Gerechtfertigt oder nicht? |

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Der Suizid hat viele Namen. Selbstmord, Freitod, Schluss machen, Selbsttötung, Freiwillig aus dem Leben scheiden usw. Wie man ihn auch immer nennen mag, ist er zu rechtfertigen oder nicht. Das kommt meiner Meinung nach stark auf den jeweiligen Blickwinkel an. Eine universale Antwort gibt es wie immer nicht.
Wenn ein Schwerkranker stirbt sagt man sehr leicht, es ist eine Erlösung für ihn. Das ist besser als wenn er noch lange leiden muss. Für ihn ist es leichter als so ein Leben. Ich bin mir sicher, so denkt die Mehrheit von uns, mich selber eingeschlossen.
Wenn derselbe Schwerkranke seinem Leben auf humane Weise ein Ende setzen möchte ist das in den Augen der Öffentlichkeit ethisch nicht zu vertreten. Eine Patientenverfügung kann auch nicht immer berücksichtigt werden. Ärzte stehen unter dem permanenten Entscheidungsdruck weiter machen oder nicht. Sie haben schließlich die Aufgabe Leben zu retten und dürfen es nicht aktiv beenden. Die Grenzen sind fließend.
Wenn ein äußerlich gesunder Mensch seinem Leben ein Ende setzen möchte, ist das oft nicht anders als bei demjenigen, der körperlich schwer krank ist.
Der stärkste Trieb eines jeden Lebewesen ist der Selbsterhaltungstrieb. Diesen außer Kraft zu setzen erfordert schon einen sehr großen Leidensdruck. Nicht nur physische Erkrankungen, Pflegebedürftigkeit oder eine Mischung verschiedener Ursachen können diesen starken Lebenswillen brechen. Psychische Ursachen können vergleichbare Qualen bedeuten. Eine zerstörte Seele aufgrund von Gewalt oder Missbrauchserfahrungen. Der Verlust eines geliebten Menschen. Die fehlende Zukunftsperspektive, Abhängigkeiten, Suchterkrankungen, Hoffnungslosigkeit.
Ich bin davon überzeugt, dass die meisten von uns schon mal gesagt haben „ich will nicht mehr“. Im Normalfall, wenn man psychisch stabil ist, hat man das schnell wieder vergessen und kommt irgendwie aus der Krise raus. Weniger psychisch stabile Menschen werden es schon mal versuchen, was in Wirklichkeit oft ein lauter Hilfeschrei ist. Vergleichbar mit den Selbstverletzungen bei der Borderline-Störung. Diese Menschen werden häufig rechtzeitig gefunden und sie brauchen dringend die Hilfe von Ärzten, Psychologen und echten Freunden. So bekommen sie hoffentlich wieder eine Perspektive und finden zum Alltag zurück.
Wer aber den echten Willen hat seinem Leben ein Ende zu setzen, der wird es irgendwann in die Tat umsetzen, ohne es vorher groß anzukündigen. Darin unterscheidet sich der echte Todeswunsch vom Hilferuf. Kein Mensch kann es verhindern, egal wie gerne er es auch möchte. In dem Fall sollte man diesen Freitod auch akzeptieren. Es war eine bewusst getroffene Entscheidung.
Ich persönlich würde gefährdeten Menschen gerne helfen, soweit es in meiner Macht steht. Genau wie beim Thema sexueller Missbrauch können echte Freunde, zuhören und Hilfe zum ersten Schritt in die richtige Richtung sein. Während einer Psychotherapie Mut machen und hinter dem Betroffenen stehen.
Auf keinen Fall Berührungsängste haben und den Betroffenen alleine lassen. Kein Tabu Thema daraus machen. Über Probleme offen reden, ohne denjenigen in Watte zu packen. Der Suizidgefährdete ist der gleiche Mensch wie vor dem Versuch. Er ist kein Wesen vom anderen Stern und auch nicht verrückt geworden. Er hat gravierende Probleme, die ihn dazu gebracht haben.
Aber auch hier wieder der dringende Hinweis! Wenn jemand selber betroffen ist, oder jemanden in seinem persönlichen Umfeld kennt der gefährdet ist, muss das Ziel immer eine professionelle Behandlung sein. Es geht um Menschenleben! Man kann helfen, aber nicht behandeln. Das bleibt ausschließlich den Fachleuten vorbehalten.
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